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Zuletzt bearbeitet
16.02.2012
 

 

Briefe und Dokumente

Briefe von Theodor Sowada

1. Brief, 24.3.1946

Meine lieben Kinder und Schwiegersohn,

eure Lebenszeichen haben wir am 23.3. dankend erhalten und haben uns alle gefreut, daß ihr noch am Leben seid. Bei uns ist das Leben sehr schwer, denn von April ab sollen alle, die über 60 Jahre alt sind, die Lebensmittelkarten bekommen und die anderen sollen arbeiten gehen.

Die Mutter ist immer kränklich, aber es ist noch zu ertragen. Und was meine Person betrifft, Gott sei dank, es geht immer noch. Aber es wird wohl am längsten gedauert haben. Die Schwester von der Mutter (Otilia), ist vor zwei Monaten gestorben. Der Ordner genauso. Und diese Woche der Theophil Gigba. Im Allgemeinen sterben sehr viele Leute.

Betrifft die Wohnung: Da werdet ihr vielleicht noch nicht mal einen Nagel von euch vorfinden. Die Wohnung ist von den Polen belegt. Ich war kurz nachdem ihr fort wart in der Wohnung. Da waren bloß die Bettstellen, ohne Matratzen, ohne Betten, Türen raus gerissen, Fenster zerschlagen. Den Tisch und die Stühle hat die Schwester von der Lindenstraße mitgenommen. Ich glaube zwei Betten sind bei uns, wo die Mutter rüber gebracht hat. Und das meiste haben unsere Leute gestohlen.

Von Josef, Gerhard und Hubert haben wir noch nichts erfahren. Der Paul ist in Thüringen, Gera. Jedenfalls ist er dort irgendwo beschäftigt, denn die Hedel soll mit den Kindern nachkommen. Der Paul hat auch alles verloren. Wir sind vom Krieg ziemlich verschont, dafür haben wir durch Verrat viel verloren. Vom Josef zwei Anzüge, der neue Mantel, außerdem viel Wäsche. Der Verdiener war die Widusch. Wo sie sieben Monate bei uns umsonst gefressen hat.

Die Ruth arbeitet auf der Strecke, um bloß die Marken und etwas Geld zu bekommen. Die Angela kam vom Lager im August zu Hause. Wir müssen alle zusehen, um zu arbeiten, denn da müssen wir elend zugrunde gehen. Hoffentlich ändert sich die Zeit. Die Mutter von Karl jammert auch sehr und zwar wegen der Jungens. Sie haben wenig zu essen.

Grete Täuber ist auch ausgewandert und die Wohnung ist von den Polen besetzt. Helene Janoschke weiß auch nichts von ihrem Mann und sie arbeitet in der Wäscherei von den Russen. Die Grundstücke sind uns allen abgenommen und da haben die kleinen Hausbesitzer einen Antrag stellen müssen, um das Grundstück zurück zu bekommen und da habe ich am 21.3 einen Termin gehabt und da hab ich das Grundstück wieder behalten können. Aber was das kosten wird?

Es wäre noch viel zu schreiben, aber?


Viele herzliche Grüße von uns allen an euch alle. Bis auf ein baldiges Wiedersehen. Der Vater, Mutter, Gela, Janoschka und Holla. Die Goletz sind in (Tarnila?, Tarniha?) bei Leipzig.

Am 28.3 noch nicht erhalten.

Brief als Bild: Seite 1, Seite 2


2. Brief.

7.4.1946

Meine lieben Kinder und Schwiegersohn,

nun werde ich Euch auch mal unsere Leidensgeschichte mitteilen. Bei uns heißt es bloß, zahlen! Aber woher nehmen, darüber frägt kein Schwein. Also, wir Eisenbahner bekommen keine Pension und von (unleserlich) Garfe auch keine Miete. Weil uns die Polen die Häuser enteignet haben. Dafür sollen wir Hausbesitzer und auch die Mieter müssen an die Stadtlukaternita (?) zahlen. Bei uns sollte 1800 Zloty, Janoschka 600, Holla 300 zahlen. Ich hab aber dies jetzt noch nichts bezahlt. Janoschka auch nicht. Bloß die Holla hat bezahlt und zwar aus folgenden Gründen bräucht ich keine Miete zu zahlen. Vor kurzem eine Verordnung, dass die Hausbesitzer unter acht Mietern die Häuser zurück bekommen. Jetzt müsste ich beim Katasteramt über das Grundstück einen Auszug machen lassen. Dann auf zwei Stellen bescheinigen lassen und bei Gericht abgeben. Daraufhin bekam ich am 21.3 einen Termin und dort ist mir vom Richter zugesagt, ich brauche keine Miete zu zahlen und bloß das Urteil vorzeigen. Und von an bin ich eigentlicher Hausbesitzer. Und die Mieter müssen an die Hausbesitzer die Miete zahlen. Bis jetzt sind sehr wenige, die davon Gebrauch gemacht haben auf unserer Straße. Vielleicht ein oder zwei haben beim Advokaten 2000 Zloty bezahlt. Dann weiter mussten wir alle die polnischen Bürgerschaft antreten und jede Perosn über 18 Jahre musste ein Wniosek kaufen für 31 Zloty. Dann wurden wir alle geprüft, ob wir auch polnisch können und wer die Fragen, die an ihn gestellt wurden, nicht beantworten konnte, bekam keinen Obywatelstwo und musste raus nach dem Reich. Dann kam wieder eine Verordnung, jeder Haushalt ein Wniosek auf die Wohnung. Haben also wieder 10 Zloty bezahlen und mit dem auf fünf Stellen laufen und die Unterschriften abholen. Also Wohlfart, Miliz, Rathaus und so weiter. Daraufhin sollen wir Brotmarken bekommen. Das war im Februar. Ich aber hab Pech gehabt. Und auch viele andere haben keine bekommen, weil die Marken nicht ausgereicht haben. Nun habe ich jetzt für April bekommen. Die Brotmarken, aber das Brot ist noch beim Bäcker? Voriges Jahr, da war auch bei uns die Ernte (?) sehr schön. Von dem Roggenfeld haben wir die R. ein Viertel verdorben. Denn durch das Roggenfeld da ging die Ferngasleitung und die Leitung wurde heraus genommen und der Roggen war noch nicht abgeblüht. Und wenn auch, da wurde alles zerfahren oder mit Erde zugedeckt. Die Kartoffeln, da waren zwei Nachmittage zehn Frauen. Diese haben die Kartoffeln heraus gerissen, wo diese im besten Wachsen waren. Und wie es uns dieses Jahr mit der Feldbestellung gehen wird, weiß ich selber noch nicht. Walla, Allamowa, Drewniok, Wilk haben keine Pferde auf der Weide. Auf der Weidenstraße da haben wir voriges Jahr im Herbst umgegraben. Der Roggen ist noch eingesäht worden. Bei uns sterben sehr viel Leute, Walla Ordner, Gigba Theophil und von Josef die Frau, geborene Cinpka. Diese Woche ist auch vom Richard Lukosilek die Frau gestorben. Leichenwagen sind keine da. Also alles auf dem Handwagen herausgefahren. Zweimal in der Woche werden die Leichen eingesegnet und dann begraben. Kurz vor Weihnachten da ist auch die Otilie Slesiona beerdigt worden. Und wo die Russen einmarschiert sind, das haben die polnischen Ärzte dem Slesiona das Bein abgenommen und die Krankheit kam von selbst. Jetzt ist wieder eine neue Parole. Auch die Gärten sollen versteuert werden. Zum Beispiel, wo Bäume stehen 7 Zloty. Für einen Quadratmeter, sonst zwei Zloty für die. Aber die Eigentumsrecht habe, brauchen nichts bezahlen. mein lieber Karl, du kannst dem Herrgott danken, dass du weg gekommen bist. Sonst wärst du auch interniert und nach Russland verschleppt in ein Arbeitslager, Ziegelei oder in eine Kohlengrube. Der Thomas Serafin sind bis heute noch nicht da. Bloß die Kranken sind zurück gekommen. Davon sind viele unterwegs ums Leben gekommen (erfroren). Die Geistlichkeit musste auch weg, zum Beispiel Patas Christus König Kirche. Unserem Pfarrer ist auch schon angedeutet, er wird müssen fort. Czerwensky ist auch schon fort und dafür werden Polnische eingesetzt. Auch haben wir in Oppeln einen Bischofsvertreter, auch polnisch. Auf der Straße, wenn man deutsch spricht, muß man 50 Zloty Strafe bezahlen, wenn man von einem Miliz erfasst wird (traurig, aber war). Wir hoffen alle, dass von Mai ab es anders wird. Wegen der Jenni, das ist alles nicht wahr. Einige Zeit war sie und der Glogowatzky Glogowacky) bei der Prüfungskommission. Nun ist das alles vorüber und da führt sie jetzt zuhause. Das Geschäft wird von einem Polen geführt. Und beide müssen zusehen und keine Miete bekommen. Vielleicht werden sie etwas durchsetzten jetzt von April ab, denn wir haben an einem Tage Termin gehabt. Also meine liebe Amalie. Viele herzliche Glückwünsche zu deinem Geburtstag. Von mir, der Mutter, Gela, Janoschka, Holla, Labus, Anna Gratesnala und alle Bekannten und Verwandten. Ich dachte, du wirst dort gesünder, es ist doch Luftveränderung. Von den Berlinern hört man sehr wenig. Die Emma soll bei der Schwester in Holtstein sein. Von den anderen wissen wir gar nichts. Viele herzliche Grüße an euch alle von uns allen, Eltern, Verwandten und Bekannten. Zum Schluss wissen wir vom Josef, Gerhard, Hubert gar nichts. Die Ruth arbeitet bei der Bahn weiter, also auf der (Dinka,) Stanka (?). Leb wohl, bis auf ein baldiges Wiedersehen. Der Vater

3.Brief

 

16.10.1946

Lieber Paul und Hedel,

ich habe bereits zwei Briefe von dir erhalten. Leider war ich nicht in der Lage dieselben zu beantworten, denn was soll ich auch schreiben, höchstens von dem Elend, das wir hier erleben. Geld haben wir nicht gerade, Schulden haben wir bereits auf 5000 Zloty. Davon haben wir einen Ziegenbock, den wir uns selber gezogen haben und ein Ferkel. Der hat 2700 Zloty gekostet und war so groß wie ein Kaninchen. Aber das gute noch, daß er ein guter Fresser ist. Wir haben ihn erst einen Monat da, nun ist er schon nochmal so groß, vielleicht nochmehr. Hoffentlich ist die Hedel bei dir. Wir gratulieren auch alle zu ihrem Wiegenfeste, die her´zlichsten Glückwünsche, damit der Herrgott sie gesund erhalten möge. Die Ernte ist ziemlich gut ausgefallen, aber die Spitzbuben haben uns mindestens anterhalb Zentner Roggen gestohlen und eine ganze Pugge (?) von zehn Garben. Und bei einigen Garben waren die Ähren mit der Sichel direkt abgeschnitten. Und die Kartoffeln: da ging es noch so ziemlich. Aber alles ist mit Ringen und Würgen verbunden. Und auch wenig Dünger. Gesundheitlich sind wir ziemlich auf der Höhe. Und wegen der Pension, da ist noch keine Spur. Jedenfalls bekommen wir erst nachdem wir einem Statde (?) zugeteilt sind. Aber hoffentlich wirds kommen. Josef, Gerhard und Huber: keine Spur. Die Ruth arbeitet noch weiter auf der Bahn. Wir können jetzt aus dem Zahlen an die Stadt gar nicht heraus. Auch von deiner Wohnung soll ich 400 Zloty bezahlen, wenn wir die Wohnung weiter behalten sollten. Sonst hätten sie uns einen Mieter eingesetzt. Nun habe ich um einen Armenattus (attest?) eingereicht. Es sind schon zwei Monate verstrichen und habe ich noch nichts bekommen. Slesiona ist auch ausgesiedelt und befinden sich in Oldenburg. Angeblich wollen sie ihm das zweite Bein abnhehen. Viele herzliche Grüße von uns allen. Verbleib bis auf ein baldiges Wiedersehen, aber lebend werden wir uns nicht mehr sehen. Dein Vater.

(Warum schreibst du die Absender Leipzig, dann wieder Gera?)

 

4.Brief.

15.8.1947

Mein lieber Schwiegersohn, Tochter und Kinder,

deinen letzten Brief habe ich dankend erhalten. Meine liebe Male, du schreibst, daß es dort mit der Ernährung so schlecht steht. Das habe ich bereits erfahren von der Tochter der Lukosnkak. Und auch von deiner Schwiegermutter. Aber leider, ich kann in dieser Zeit in keinem Falle etwas helfen, denn  wir habe es hier auch nicht viel anders. Marken bekomme ich keine und Pension überhaupt nicht und dazu die kranke Mutter. Heute Nacht war schon, wo sie sterben sollte, und hat bloß gefragt, ob ich den Sarg schon bestellt habe. Frühmorgens wo ich aufgetanden, war das erste, wieso ich den Sarg noch nicht bestellt habe und nun haben am Tage die Schmerzen nachgelassen. Du frägst: war hier alles wohl? Das ist der Potyka Holla und seit dem zweiten Pfingsfeiertag die Familie Slesiona und Noj, also sechs Personen. Die waren in Oldenburg. Sie haben die Einreisegenehmigung bekommen, aber nicht die Wohnung. Die muß erst ausgeklagt werden. Und das ist mit großen Geldkosten verbunden. Die Kosten betragen 40.000 Zloty. Also woher nehmen? Also Gott sei Dank, jetzt haben wir wenigsten Brot, Kartoffeln und auch Äpfel und Gurken auch. Mit mir geht es auch schon bergab. Ich bekomme solche Schwächeanfälle. Und auch das Schreiben fällt mir sehr schwer. Dann wundert euch nicht, dass ich so wenig schreibe. Es geht beim besten Willen nicht so wie früher. Dann sehe  ich auch sehr schlecht, Hoffentlich kommen noch bessere Tage. Diese Tage erhielt ich von Paul einen Brief und auch 500 Mark und da ist mir viel geholfen. Natürlich hat mir die Frau Krawietz das Geld gebracht. Eine Frau hat einen Brief von ihrer Tochter bekommen und schrieb sie in dem Briefe, das du so schlecht aussiehst. Nicht zum Erkennen. Ich aber weiß nicht, wie die Frau heißt, also kann mir ein Begriff machen, über die dortigen Zustände machen. Aber helfen können wir euch nicht, leider. Die Angela hat nichts zu lachen bei der vielen Arbeit. Die Mutter hat aber bloß die Gedanken vom Sterben. Jedenfalls werdet ihr sie nicht mehr am Leben antreffen. Ich schließe mein Schreiben mit den herzlichsten Grüßen an euch alle. Dass sie euch bei der besten Gesundheit antreffen mögen. Viele herzliche Grüße von der Mutter, Angela, Ruth, Potyka und Holla. Und von Josef keine Spur. Verbleibe ich euer, der Vater.

 

5. Brief

7.5.1948

Lieber Schwiegersohn, Tochter und Kinder,

euren letzten Gratulationsbrief dankend erhalten. Ich gratuliere, liebe Tochter nachträglich. Viel Glück, Gesundheit und alles Gute. Vor allem gebe ich euch die freudige Nachricht, dass ich das Geld von der Reichsbahndirektion Kattowitz erhalten habe, und zwar 31.500 Zloty. davon 425 Zloty Zustellungsgebühren. Und Schulden hatte ich 8000 Zloty. Noch von der Beerdigung. Das alles habe ich den nächsten Tag beglichen, damit ich bloß ruhig schlafen kann. Das Grab habe ich schon belegen lassen. Das meiste hat mir die Ruth ausgeholfen. Jedenfalls habe ich ihr zurück gezahlt. Das hat alles zusammen auf 10.000 Zloty ausgemacht. Dann habe ich das Geld begießen müssen müssen. Das hat alles auf 1.000 Zloty ausgemacht. Bei uns kostet ein halber Liter 280 Zloty. Und Stube war voll von Besuchern. Lieber Karl, du kannst dich an den Lokführer Kamka erinnern? Den haben wir am 5.5. beerdigt. Er starb plötzlich, er war nämlich herzkrank. Die (unleserlich: Gawolel ?) sind bei uns sehr günstig. Am 1.6. soll der erste Flüchtlingszug in Gleiwitz eintreffen. Ihr könnt ja kommen, denn ich habe gesorgt für Kartoffeln. Brotmehl habe ich zwei Zentner. Und zum Schaffen habt ihr auch (unleserlich: glatz oder glortz) genug. Die Gratulation von Paul kam gerade am 23. an und deine am 26., also vielen Dank. bei uns sind die Preise sehr hoch. Ein Kilo Fleisch 280 Zloty. Speck 340 ein Kilogramm. Dass wir uns noch so leidlich durchgeschlagen haben, das war sehr viel. Jetzt ist die Bieda raus. Gesundheitlich bin ich noch auf der Höhe. Bloß die sehkraft und das Gehör hat kräftig nachgelassen. Die Pension wird so etwa monatlich 2000 Zloty ausmachen. Ich habe lange genug gewartet. Bis jetzt habe ich noch keine Nachricht über die Pension bekommen. ich habe bloß das Geld und weiter nichts anderes bekommen. Die Frau Guttmann, die Schwiegermutter hat auch 21.000 Zloty bekommen, mit mir zusammen. Viele herzliche Grüße von der Ruth, Angela, Verwandte und Bekannte, bis ein baldiges Wiedersehen. Verbleibe Euer Vater.

(Zusatz unten: Hubert Guttmann, Max, S.S.S.R, Moskau, Lager 7236/3)

6.Brief

17.6.1948

Meine lieben Kinder,

euren Brief dankend erhalten und schicke ich auf dem schnellsten Weg die Urkunden. Die Geburtsurkunde erübrigt sich, denn in der Heimaturkunde ist dort alles mit erhalten. Und der Karl hat doch von der Mutter das Obüwatelstwo und diesmal habe ich vom Gericht eine Abschrift anfertigen lassen und ich habe Glück gehabt, dass ich alles in einem Tag erledigen konnte. Einen schönen Gruß auch von der Schwiegermutter, weil sie mir einmal gesagt hat, dass sie dem Karl ein solches hat anfertigen lassen. Am 16.6 habe ich von euch den Brief erhalten und am 17.6 schicke ich euch die Urkunden. Hoffentlich hat alles seine Richtigkeit. Und wegen der Arbeit vom Karl, da ist das nicht so schlimm. Die wird er schon finden, zumal er Handwerker ist. Und die Ruth arbeitet noch weiter auf der Strecke. Es fällt ihr schwer, aber was soll sie machen. Essen wollen die Kinder und sie auch. Male, du frägst, ob ich noch das Feld habe. Ja, ich habe. Aber nur die Hälfte. Die andere Hälfte hat mir der Pole weg genommen. Und den großen Garten beim Kabilinsky habe ich auch noch. Den an der Weidestraße hat auch der Pole weg genommen. Aber hoffentlich hat das alles ein Ende. Und wenn ihr alles erledigt habt, dann schreibt mir auch bald. Hoffentlich hat alles seine Richtigkeit. Es ist bloß, dass der Karl nicht etwa in der Partei war. Hier ist bloß das Schlimmste mit dem deutsch sprechen. Ein fatales Wesen, wer deutsch spricht. Und die Miliz erfährt das gleich. Es folgt eine Strafe von 200-300 Zloty. Aber das wird doch hoffentlich nicht immer so bleiben. Viele herzliche Grüße von allen. Auf ein baldiges Wiedersehen, grüßt euch euer Vater.

7. Brief

3.7.1948

Lieber Schwiegersohn, Tochter und Kinder,

es wird wohl kaum möglich sein, um euch die nötigen Papiere zu besorgen. Ich habe bis jetzt zwei Schriftstücke angefertigt und immer ist es nicht richtig. Ich brauche die Geburtsdaten von Karl, dann wo er gewohnt hat und warum er fort gegangen ist. Dann von den Kindern die Geburtsdaten. Eine Abschrift vom (Unleserlich: Obrinertals..?) und die zwei Schriftstücke, die ich dir zugeschickt, musst du mir zurück schicken. Denn wenn ich zum Advokaten gehe, dann kostet das mindestens 2000 Zloty und soviel habe ich gar nicht.Und von der Schwiegermutter auch die Abschrift von (Unleserlich: Obrinertals? Obringwertalswan, ein Ortsname?). Dann, wo der Karl zuletzt gearbeitet hat. Wieviel Kinder und ob sie auch polnisch sprechen. Das wird wohl kaum möglich sein. Ob das alles wird nötig sein? Ich habe gestern vom Marowiecz erfahren, dass die (durchgestrichen) und es kann nicht mehr lange dauern - vor drei Wochen, das wollten die Spitzbuben den Tabernakel aufmachen. Obwohl sie ein Schweißapparat hatten, ist es ihnen nicht gelungen. Ich wiederhole nochmals, was ich benötige. Also, vom Karl Geburtstag, wann er bei der Eisenbahn angefangen, als was er beschäftigt war, wann er ausgegangen ist, weshalb, letzte Wohnung, von den Kindern die Geburtsdaten, und von der Mutter Abschrift von (Obüwatelstwan ?) und dann, wann er die Prüfung als Lokführer gemacht hat. Ich muss das alles angeben. Schicke mir das alles sobald wie möglich. Wir haben hier bei uns alle Tage Regen. Das ist alles (was ich) brauche. Ich schließe mein Schreiben mit den herzlichen Grüßen, von der Angela, Ruth und Potyka. Verbleibe, euer Vater. Und dann die beiden Urkunden, die ich dir geschickt habe. Die Abschrift kostet 130 Zloty. Und dann, ob die Kinder polnisch sprechen.

 

Brief von Angela Sowada

Gliwice d. 16.1.1949

Liebe Male, Karl und Kinder.

Deinen letzten Brief haben wir dankend erhalten. Wie geht es dem Karl. Ist es schon besser oder noch nicht. Der Vater ist Gesundheitlich auf der Höhe. nur das Gehör und das Augenlicht haben nachgelassen. er kann keine Briefe mehr schreiben. Und nun muss ich es eben erledigen. Hubert (1) kam noch nicht nach Haus und die Ruth (2) muss weiter arbeiten. Die Frau Guttmann (3) ist zu der Hilde gefahren. Sie ist schon 6 Wochen weg. Da hab ich mehr Arbeit. Denn ich muss für sie kochen und das andre machen. Der Max (4) geht in die Vorschule. Die  Manelszki (?) ist jetzt Sgadnielnia (?) und auch die anderen Geschäfte wollen sie Sgadielnes machen. Am 14. Dezember war 1 Jahr seitdem die Mutter (5) tot ist. da hat die Ruth eine hl. Messe lesen lassen. Und am 20.Februar ist für den Gerhard und Siegfried (6) eine stille hl. Messe. Weihnachten haben wir so einigermaßen gut verlebt. Karpfen hatten wir auch gehabt. Nur Geschenke gab es keine. Ruth war mit den Kindern (7) auch bei uns.

(Angela)

Anmerkungen:

1) Hubert Guttman, Ehemann von Ruth. Zu diesem Zeitpunkt offenbar noch verschollen. Er tauchte später in Leipzig auf.
2) Halbschwester Ruth Sowada
3) Nachbarin, Mutter von Hubert Guttmann
4) Sohn von Hubert und Ruth
5) Mathilde Pawellek, Stiefmutter von Amalie, Angela und Paul.
6) Halbgeschwister von Angela, beide gefallen. Der dritte Halbbruder Josef wird offenbar noch vermisst.
7) Die Kinder sind Irene und Max


Testament von Theodor Adalbert  Sowada

Im Original in polnischer Sprache abgefasst.

Beglaubigte Übersetzung (Seite 1, Seite 2) vom Polnischen ins Deutsche

Der Einladung des uns bekannten Herrn Theodor Zowada (Sowada,geb. am 23.4.1869 folgend, begaben wir uns in seine Wohnung in Gleiwitz, ul.(Str.) Skotnicka 56 ---------
I.Zeuge: Fabian Stanislaw, wohn. Gleiwitz, ul.Chelmonskiego 10 -
II.Zeuge: Badura, Franciszek, wohn.Gleiwitz, ul.Skotnicka 33 -
III.Zeuge: Potyka, Jadwiga, wohnh.in Gleiwitz, ul.Skotnicka 56 -

Die zeugen sind mit Herrn Zowada nicht verwandt. Herr Zowada ist seit dem heutigen Tage vorläufig krank; er ist jedoch bei voller Kraft und verfügt aus eigener Macht, dass er vor den drei Zeugen heute das folgende Testament errichten möchte:

Herr Theodor Zowada, geboren am 32.4.1869 in Stara Olèsna, verfügt aus eigener macht, dass sein Eigentum, das aus einem Grundstück-gemäss Art.Nr.III C171/46 des Beschlusses des Amtsgerichts in Gleiwitz vom 21.3.1946- und einem dort gelegenen Haus mit Garten besteht und an der u.Skotnitcka 56 in Gleiwitz gelegen ist, sowie die darin beweglichen Güter, die sich im eigenen Haus in Gleiwitz, ul.Skotnitcka 56 befinden und die in betrieb gesetzte Mangel meiner Tochter Angela Zowada Sowada, geboren am 13.5.1896, wohnhaft in Gleiwitz, ul.Skotnitcka Nr. 56 , nach meinem Tod als Eigentum gehören soll.

Ich bitte das Amtsgericht Gleiwitz nach meinem Tod eine Verhandlung durchzuführen und meiner Tochter Angela Sowada mein übriges Grundstück und die beweglichen Sachen, die sich in Gleiwitz, ul.Skotnitcka Nr. 56, befinden, zuzusprechen.

Gleiwitz, den 14.7.1949 ------- gez. Unterschrift/Theodor Sowada/

Beim Errichten des testaments waren die Zeugen anwesend, die durch eigenhändige Unterschrift bestätigen, dass Herr Theodor Zowada (Sowada) während des Errichtens des Testaments bei vollem Bewusstsein und Kradt war und die Unterschrift persönlich vollzogen hat.-----------------
Eigenhändige Unterschrift der Zeugen.-------------------
/-/Fabian Stanislaw,/-/Potyka´Jadwiga,/-/Badura Franciszek
65 IV 84,60 --------------------------

Anm. d. Übers.
der Text ist in einem schlechten Polnisch verfasst, manche Stellen sind daher dem Sinne nach und nicht dem Wortlaut übersetzt.

Anmerkungen:

ul.Skotnicka 56, früher Weidenstrasse 32

Stara Olesna = Alt Rosenberg, Kreis Rosenberg
 

(Anmerkung zur Anmerkung des Übersetzers. Der Text ist vermutlich in "Wasserpolnisch" verfasst, dem in Schlesien verbreiteten Dialekt des Polnischen)